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SONJA SEKULA (1918 – 1963) Sonja Sekulas Name wird in vielen Büchern erwähnt, und manche Kunstbeobachter erinnern sich noch an ihre scheue Präsenz im Zürich der ausgehenden fünfziger und frühen sechziger Jahre. Doch eigentlich ist ihr Werk kaum bekannt, und ihre Biographie eine Mischung aus Gerüchten und oft lückenhaft kolportierten Erinnerungen. Nach der grossen Retrospektive im Kunstmuseum Winterthur (Herbst 1996), zeigen wir nun Ölbilder, Gouachen und Collagen in unserer Galerie in Basel.
Gemeinsam mit den Surrealisten, aber auch mit den Künstlern ihrer Generation war Sekula das Interesse an den indianischen Kulturen Alaskas und Mexikos und ihrer bildnerischen Produktion, die als Alternative zum Erbe der europäischen Moderne galt. Sonja Sekulas Zeichnungen und Gemälde aus dieser Zeit, erinnern in der Überfülle der darin auftretenden Figuren und Formen und in der intensiven Farbigkeit an die indianische Volkskunst. Doch nicht nur die Darstellung, auch die aus der Keramik stammende Kratztechnik verweist auf dieses Vorbild: die Künstlerin arbeitet nicht nur mit dem Pinsel, sondern kratzt in den dunklen Bildgrund Linien ein, so dass darunterliegende Farbschichten hervortreten und eine intensive graphische Wirkung erzielt wird. Eine Technik, die sich durch ihr ganzes Schaffen hindurchzieht und vor allem in den sogenannten «Scratchboards» der frühen 50er Jahre zur Geltung kommt. Einen eigentlichen Höhepunkt ihrer Arbeit erreichte sie mit den grossformatigen Bilder, denen die New Yorker Stadtlandschaft und die weitgespannten Brücken über den East River Modell standen. Mittels transparenter Farbschichten schuf sie imaginäre mehrperspektivische Räume, in die sie mit Bleistift und Farbkreide eingriff, um mit zeichnerischen Strukturen, die entfernt an Gebäude und Figuren erinnern, den Bildraum aufzubrechen.
Bedingt durch ihre wechselnden Aufenthaltsorte trat für Sonja Sekula während des Europa-Aufenthaltes die Zeichnung noch stärker in den Vordergrund. Nach ihrer Rückkehr nach New York entstanden Zeichnungen und Gemälde, die einen neuen poetischen Ton verrieten, wie beispielsweise in «Poem For You», 1951, oder «Silence», 1951.
Das Leben nach ihrer erzwungenen Rückkehr in die Schweiz war für Sonja Sekula schwierig: der Kontakt mit ihren amerikanischen Freunden ging zusehends verloren, und in den Schweizer Galerien war ihre «amerikanisch» wirkende Kunst nicht gefragt. Auch wenn Sonja Sekula, wie sie selber sagt, in verschiedene Richtungen arbeitet, bezieht sie sich immer wieder auf bereits verwendete Motive, wie figurative Elemente oder farbdurchzogene imaginäre Landschafts- und Stadträume.
Die Arbeiten der Jahre 1959-62 lassen sich in Gruppen gliedern, die auf die beiden Ursprünge ihres Werks zurückweisen: die zartfarbigen Collagen aus zerknüllten Seidenpapieren, die dem Surrealismus und besonders Max Ernsts Frottagen entsprungen scheinen, und andererseits die gestischen Ölmalereien auf Papier, die nicht von ungefähr wieder auf die Ausdrucksweise der amerikanischen Künstler ihrer Generation zurückkommen.
Quelle: Katalog Kunstmuseum Winterhur 1996, Hrsg. Roger Perret: Im Zeichen der Frage, im Zeichen der Antwort, Lenos Verlag, Basel,1996
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