Haus zum Seilen

St. Alban-Vorstadt 52, 4052 Basel

 

 

 

Bis ins Jahr 1413 lässt sich die Geschichte der Liegenschaft zurückverfolgen: Sie bestand aus zwei Hofstätten, und man nannte sie des «Pfaffen Röubli sel. Hus».

 

Bewohnt war sie vom Domkaplan Johannes Röubli, dem Inhaber der ersten Pfründe am Altar der Hl. Anna, und Grundherr war das Kloster   St. Alban. Die Mauern des Hauses beherbergten verschiedenste Besitzer und Mieter, hauptsächlich Handwerker: einen Metzger, eine Dynastie Rebleute, dann Sporer, Nagler und eine Nagelschmiede samt «Esse» (die Feuerstelle des Schmieds), einen Mehlmesser und einen Weissbeck mit «Beckenofen», einen Schäfer (der gleichzeitig Probst zu St. Alban war) und einen Schneider. Auch ein Kunstmaler wohnte in diesem Haus, nämlich Johann Rudolf à Wengen, der in den 1760er Jahren mit dekorativen Supraporten die zahlreichen Neubauten der Stadt Basel schmückte.

 

Eine Zeitlang war das Haus verpfändet an den Fiscus Battierianum, ein von der Universität zinstragend angelegtes Stipendium für Theologiestudenten, das 1643 von Jacob Battier gestiftet worden war, einem Basler Theologen und Sekretär des Vizekönigs von Irland.

 

1790 richtete Wilhelm Glaser-Dussing eine Seilerei ein, und aus dieser Zeit dürfte die Inschrift stammen, die die heute noch die Fassade ziert.

Die Liegenschaft wurde dann vom Spenglermeister Johann Heinrich Straumann-Walter erworben, dessen Nachfolger die Werkstätte fortführten, bis August Balz Hilt das Haus in den Sechzigern erwarb und mit dem Umbau begann.

 

Das Haus wuchs und veränderte sich: Stück um Stück, Raum um Raum. 13 Jahre zog sich der Um- und Ausbau hin, und viele haben Hilt zunächst belächelt ob seiner «idée fixe». Doch dieser Umstand war entscheidend, damit dieses einmalige Haus entstehen konnte: Alle Wohnungen weisen unterschiedliche Grundrisse auf, und jeder Raum hat seine Eigen-Art.

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch im Haus:                       Römersaal

 

Weitere Texte zum Haus:     Haus zum Seilen              Vom Pfaffenhaus zur Kunstgalerie

 

 

 

 


 

Quellen: Edith Schweizer-Völker, «Haus zum Seilen» (B wie BASEL, 10/71); Hans Uli von Erlach, «Wohn-Flirt zwischen Vergangenheit und Gegenwart» (Ideales Heim, 10/87); ds., «Umbauen mit Intuition und Perfektion» (Ideales Heim, 12/87); Gustav Adolf Wanner, "Vom «Pfaffenhaus» zur Kunstgalerie" (1995); n.n., «Römerkeller in der Dalbe» (B wie Basel, 2/97); Aufzeichnungen von Balz Hilt.

Fotos: Vera Isler, Walter Sütterlin, Christian R. Ragni